Sehr geehrter Herr Bildungsminister Faßmann

Fassungslos habe ich Ihren Kommentar bezüglich der wahrscheinlichen Notwendigkeit einer Akzeptierung gehänselter Mitschüler wahrgenommen.

Wie können Sie als Bundesminister für Bildung  solche Aussagen tätigen? Sie öffnen mit dieser Meldung Tür und Tor für Spott, Ausgrenzung und Mobbing in Klassenzimmern.

Die Situation an Schulen ist seit Jahren keine einfache für Kinder und Jugendliche, die anders aussehen, denken und fühlen.

Schule sollte aber nicht nur Ort der Wissensvermittlung sein. Hier versammeln sich Kinder und Jugendliche unterschiedlichster sozialer Schichten, Hautfarben, Grunderfahrungen. Grundvoraussetzung ist ein gutes Schul- und Klassenklima, um sich zu öffnen und Wissen überhaupt aufnehmen zu können. Soziale Kompetenzen sind gefragt, mehr denn je.

Mein Leitsatz seit nunmehr über 30 Jahren Berufserfahrung  lautet: “Behandle andere so, wie du auch selbst behandelt werden möchtest!” So kann ich als Mensch  meinen Kindern aufrecht gegenüberstehen und ihnen in die Augen sehen. 

Ein Klassenklima sollte geprägt von Toleranz auch andersdenkenden Menschen gegenüber sein und ich werde niemals Hänseleien akzeptieren, egal welche Motivation dahinter steht.

Ich darf Sie bei der Gelegenheit an eines der 4 Grundprinzipien der Kinderrechstkonvention erinnern:

  • Das Recht auf Gleichbehandlung:  Kein Kind darf benachteiligt werden – sei es wegen seines Geschlechts, seiner Herkunft, seiner Staatsbürgerschaft, seiner Sprache, Religion oder Hautfarbe, wegen Behinderung oder wegen seiner politischen Ansichten

In diesem Sinn bitte ich Sie Ihre Aussagen noch einmal zu überdenken, als Bildungsminister, Vater und Mensch.

Mit freundlichen Grüßen
eine besorgte VS Lehrerin (54J.)